Vortragsreihe

VORTRAGSREIHE "UNTERM BRENNGLASL"

 

Die lose Vortragsreihe wurde 2017 als ergänzendes Format der kulturellen Aktivitäten des Bürgervereins Forum Cella Principum e. V. eröffnet. Es geht in dieser Reihe darum, aktuelle Themen im historischen Ambiente der Portenkirche zu präsentieren. Dabei werden solche Vortragstitel ausgewählt, die für die breite Öffentlichkeit von Bedeutung sind.

Den Organisatoren Walter Berchtold und Johann-Bernhard Haversath ist es ein besonderes Anliegen, ein abwechslungsreiches, ansprechendes und zugleich hochkarätiges Programm zu präsentieren. Die jeweiligen Themen sind bewusst weit gestreut und decken ein breites Feld ab, das die Gebiete Kultur, Natur, Gesellschaft mit wechselnden Schwerpunkten in zeitlichen, räumlichen und/oder wirtschaftlichen Zusammenhängen vorstellt.


Als Vortragende werden renommierte Fachleute aus dem näheren und weiteren Umkreis engagiert. Diese haben in der Regel einen beruflichen Bezug zur jeweiligen Thematik und sind durch ihr fachliches Profil als Kenner der Materie ausgewiesen. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Vorträge der Reihe das Bestreben, die komplexen, kontrovers diskutierten und oft schwer zu durchschauenden Themen differenziert und facettenreich darzustellen; einfachen Argumentationsketten soll nicht das Wort geredet werden.


Die Vorträge wenden sich als Zielgruppe an die Bevölkerung von Fürstenzell und den umliegenden Gemeinden. Junge und alte Mitbürger, Kenner und Laien, Spezialisten und Neugierige, kurz: alle Interessierten sind zu den Terminen herzlich eingeladen.



17. Klaus Rose (Vilshofen): 150 Jahre 1870/71 - Bayerns Weg ins Deutsche Reich (12.5.2021)


Vor 150 Jahren wurde der deutsche Nationalstaat geboren und das Königreich Bayern seiner stolzen Eigenständigkeit beraubt. Es war die Zeit des Märchenkönigs Ludwig II. und des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Da bayerische Soldaten an der Seite der Preußen gegen die Franzosen anfangs September 1870 bei Sedan einen entscheidenden Beitrag zum Sieg leisteten, wurde der Sedantag nach der Gründung des Deutschen Reichs im Januar 1871 nicht bloß erster deutscher Nationalfeiertag, sondern auch in den kleinsten Dörfern Bayerns gefeiert. Gar manches Kriegerdenkmal im Passauer Land erinnert noch heute an jene Zeiten. Wegen der späteren Weltkriege und Revolutionen veränderte sich aber das Geschichtsbewusstsein. Der genauere Blick in die damaligen Ereignisse gewährt vor allem dem Bayernfreund vertiefte Erkenntnisse.

16. Wolfgang Reimann (Regensburg), Silke Schroth (Fürstenzell): Die Wasserheilkunst des Johann Schroth. Vom schlesischen Nieder Lindewiese nach Pilzweg (14.4.2021)


Trink- und Badekuren sind seit unvordenklicher Zeit bekannt. Die eigentlichen Begründer der modernen Wasserheilkunde sind Johann Schroth und Vincenz Prießnitz, Sebastian Kneipp folgte später, war aber umso erfolgreicher. Wer war Johann Schroth? Was war das Revolutionäre an seiner Therapie? Was ist aus seiner Idee geworden, was aus seiner weitverzweigten Familie? Die Spurensuche führt bis nach Bad Pilzweg in der Marktgemeinde Fürstenzell. Eine Familiensaga wie bei den Buddenbrooks von Thomas Mann, sie ist zugleich ein Spiegel der jüngeren deutschen Geschichte.

15. Edel Maria Göpfert (Vilshofen): Kunst entsteht - Ein Blick hinter die Kulissen (24.3.2021)


Geburt einer Bronze: Selten sind die Künstler, die sich dem Bronzeguss aus der verlorenen Wachsform zuwenden. Eine davon ist Edel Maria Göpfert. Die Geburt einer Bronze erfordert viele Arbeitsgänge und seit der Bronzezeit – vor ca. 4000 Jahren – hat sich nichts Wesentliches verändert: Durch das Formen der Skulptur aus Wachs entsteht ohne Zwischenschritt die Gussform und schafft die eigene Durchbildung und Ausführung der Linien, Formen und Oberflächen, die sich nach dem Guss in dem edlen Metall in nicht wiederholbarer Weise ausdrücken. Dazu braucht es handwerkliches Können ebenso wie leidenschaftliche künstlerische Arbeitskraft und unbezähmbaren Gestaltungswillen. Ein spannender Prozess, der die Bildhauerin seit über 30 Jahren freiberuflicher Tätigkeit begleitet, sich wiederholt und dennoch jedes Mal einzigartig und einmalig ist.


14. Ina Voshage (Passau): No Worries? No Way! Australiens Umgang mit internationalen Bootsflüchtlingen (24.2.2021)


„Stoppt die Boote!“ Australiens Premierminister Tony Abbott hielt sein Wahlversprechen von 2013, indem er in den Folgejahren seiner Wahl die australischen Außengrenzen mit Hilfe der Operation Sovereign Borders für Bootsflüchtlinge unerreichbar machte. Dieses Vorgehen war Teil der Pacific Solution - einer politischen Strategie, die dazu führte, dass Australiens Rolle im Kontext internationaler Migrationsbewegungen kontrovers diskutiert wurde, und deren Hintergründe und Auswirkungen dieser Vortrag thematisiert.


13. Günther Moosbauer (Straubing/München): Zwischen Donau und Inn: Ostbayern im Zeichen der römischen Herrschaft (20.1.2021)


Im 1. Jahrhundert n. Chr. erreichen römische Truppen zum ersten Mal Ostbayern. Es folgt ab der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts der Ausbau mit Militärlagern. Um die dort stationierten Truppen mit Lebensmitteln und Waren versorgen zu können, ist eine ausgebaute Infrastruktur notwendig: Straßen und Häfen. Darüber hinaus wird das flache Land mit Siedlungen, d.h. Gutshöfen, erschlossen, die vor Ort zur Versorgung mit Agrarprodukten dienten. Darüber hinaus entstanden kleinere Dörfer an den Hauptverkehrsrouten, in denen Handwerker tätig waren. Im Lauf der Jahrhunderte war diese Siedlungslandschaft wechselnden innen- und außenpolitischen Bedrohungen ausgesetzt. Das veränderte bis zu ihrem Ende im späten 5. Jahrhundert n. Chr. immer wieder ihr Gesicht. 


12. Richard Drexl (Kaufbeuren), Josef Kraus (Ergolding): Nicht einmal bedingt abwehrbereit. Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine. Autorenlesung (18.11.2020)


Die Autoren zeigen, wie sich unsere Armee seit ihrer Gründung gewandelt hat. Zugleich werfen Sie einen Blick auf die brennenden Fragen der Zukunft: Welche Rolle soll die Bundeswehr zwischen der NATO und einer Europa-Armee einnehmen? Wie verschränken sich Fragen der inneren und der äußeren Sicherheit? Welchen Rückhalt hat die Bundeswehr noch in unserer Gesellschaft? Und welchen Einfluss auf die sicherheitspolitische Lage haben neue Machtfaktoren und neue Ungleichgewicht wie das Verhältnis zur Weltmacht USA oder zu Russland sowie zum Expansionskurs Chinas? Nicht zuletzt werfen sie auch einen Blick in den Maschinenraum der Bundeswehr und analysieren zahlreiche Problemfelder. Sie zeigen die Fehlstellen der Materiallage, der personellen Ausstattung wie auch der Bürokratie auf. Die Autoren üben aber nicht nur Kritik, sie präsentieren auch Vorschläge, wie der Misere begegnet werden kann.


11. Walter Keilbart (Fürstenzell): 30 Jahre nach der Wiedervereinigung – eine kritische Bilanz. ‚Blühende Landschaften‘ – Wunsch und Wirklichkeit (28.10.2020)

 

Mit dem Ruf nach Freiheit haben die Menschen aus der damaligen DDR ihr Recht auf Selbstbestimmung erstritten und das Ideal vom ‚Einig deutschen Vaterland‘ im Blick gehabt. Ob aber das ‚Zusammenwachsen, was zusammengehört‘ so recht gelungen ist, wird aus mancherlei Gründen bezweifelt. Ist die Transformation von Gesellschaft und Wirtschaft – aus Kommunismus und Staatswirtschaft hin zu Demokratie und Marktwirtschaft – überhaupt im Sinne einer gleichberechtigten Teilhabe möglich? Die notwendige Privatisierung durch die Arbeit der Treuhandanstalt hat nachweislich viel an Substanz der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der sog. neuen Bundesländer gekostet; hätten wir es besser machen können?  Angekommen auf dem harten Boden der Wirklichkeit, idealisiert ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung die vermeintlichen Segnungen des Sozialismus; Eigenverantwortung und erneute Aufbauleistung überfordern trotz aller staatlichen Unterstützung gelegentlich die Menschen! Wo stehen wir und was sind die Perspektiven? Ein Antwortversuch mit Beispielen.


    10. Heinrich Oberreuter (Passau): Die Demokratie – ein „Wagnis des Vertrauens“? (16.9.2020)

    Ist Vertrauen nicht ein zu hoher Begriff für Politisches? Was misst die Demoskopie, wenn sie angibt, Vertrauen zu messen? Geht es inzwischen nicht sogar in klassischen Demokratien verloren? Oder gibt es Situationen, in denen es auf überraschende Weise wiederersteht? Und ist es nicht zu begrüßen, wenn Vertrauen nicht blind ist – gerade in der Politik, die nicht sich selbst, sondern dem Gemeinwohl dienen soll? Aktuelle Antworten sind gefragt.

    9. Andreas Dittmann (Gießen): Libyen zwischen Erdöl, Wüste und Arabellion. Geofaktoren eines nordafrikanischen Failed State (12.3.2020)


    Eigentlich hatte Libyen von allen sechs Ländern, die 2011 den Ausbruch der so  genannten Arabellion erlebten, die vergleichsweise besten Entwicklungs-voraussetzungen: Das reichste Land in Afrika und eines der reichsten in der gesamten MENA-Region, eine geringe zu versorgende Gesamtbevölkerung und nach dem Scheitern des Ghaddafi-Regimes einen starken Aufbruch- und Veränderungswillen. Doch es kam anders. Libyen erfüllt heute alle Charakteristika eines Failed State. Der Vortrag erklärt, wie es zu den Entwicklungen zum heutigen

    Zustand kam, beschreibt die prägenden Geofaktoren und analysiert Libyens Rolle als Drehscheibe der internationalen, illegalisierten Migration nach Europa. Dabei wird betont, dass der so genannte Westen derzeit in Libyen eigentlich auf die falschen Partner setzt und die sonst hochgehaltenen Werte von Humanität und Demokratisierung auf dem Altar einer kurzsichtigen Abschottungspolitik opfert.


    8. Florian Hartleb (Tallinn/Estland): Ein Blick über die Grenzen: Chancen der Digitalisierung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (12.2.2020)

    Die Wirtschaftsmacht Deutschland ist noch nicht in der digitalen Welt angekommen. Auch in Bayern tut man sich schwer, etwa bei der digitalen Infrastruktur in den Kommunen. Dabei gibt es die digitale Zukunft Europas längst – wir müssen nur über die Grenzen schauen. Das kleine Estland ist ein Labor in Sachen IT und E-Government, also der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, Deutschland um Längen voraus. Vor weniger als drei Jahrzehnten war Estland noch eine Sowjetrepublik. Nach der Unabhängigkeit musste das Land allein durch den schmerzhaften Prozess der Transformation. Heute ist die baltische Republik mit nur 1,3 Millionen Einwohnern digitaler Trendsetter. Zahlreiche Delegationen aus Bayern machen sich ein Bild vor Ort. Estland gilt als das, was der Wallfahrtsort Lourdes für Katholiken ist, wie das Magazin „Der Spiegel“ vor wenigen Monaten schrieb.

    7. Katja Dörig (Aying): Nepal. Auf den Spuren des Buddhismus im Himalaya (10.10.2019) 

    Bergwanderführerin Katja Döring – praktizierende Buddhistin – ist regelmäßig auf selbstorganisierten Trekkingtouren in verschiedenen Teilen der Erde unterwegs. Seit Jahren ist sie in wiederkehrenden Touren in Nepal und im Ladakh, im Umkreis des zentralafrikanischen Kilimandscharo und in Südamerika per pedes unterwegs. Seit dem großen Erdbeben 2015 hilft sie den Menschen in Nepal mit einem eigenen Hilfsprojekt mit Schwerpunkt im Khumbugebiet.

    Aufgewachsen im Spessart, ist sie in den Hochgebirgen der Welt zu Hause, sie präsentiert im Vortrag die Besonderheiten Himalayas und seiner Bewohner.

    6. Jörg Scheffer (Passau): Digitalisierung als selbstgewählte Einschränkung? Folgen und Risiken unseres vernetzten Alltags (15.5.2019)


    Die Digitalisierung unseres Alltags ist das große Leitthema der Gegenwart. Mit ihm werden positive Entwicklungen wie die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, neue Bildungszugänge, ein Wachstum an Effizienz und individuellem Lebenskomfort verknüpft. In der allgemeinen Euphorie um die neuen Chancen gerät jedoch aus dem Blick, was die Inanspruchnahme digitaler Dienste von uns gleichzeitig verlangt. In zahlreichen Alltagssituationen sind wir gezwungen private Daten preiszugeben. Deren ökonomische Verwertung kann unsere Handlungsmöglichkeiten massiv einschränken und die gewonnenen Optionen letztlich ins Gegenteil verkehren.

    5. Heinrich Oberreuter (Passau): Demokratie in Gefahr? (2.5.2019)

    Das Gefühl, die Demokratie befinde sich nach der Wende 1989/90 auf der ganzen Welt auf einem unerschütterlichen Siegeszug, ist verflogen. Im Gegenteil steht sie vor neuen Herausforderungen, die ihre Wertorientierungen erschüttern und ihre Institutionen angreifen - weltweit, auch in Europa. Vertrauen schwindet, in Verunsicherungen wächst die Attraktivität einfacher und autoritärer Gewissheitsangebote. Was ist dagegen unverzichtbar? Erstaunlich, wie aktuell die Antworten sind, die sich im gerade 70 Jahre alt werdenden Grundgesetz finden.


    4. Martin Hille (Regensburg/Passau): 100 Jahre Freistaat Bayern. Metamorphose eines Staatsnamens: Kurt Eisner, der Freistaat Bayern und seine geschichtspolitische Dimension in den letzten 100 Jahren (7.11.2018)

    Als der Revolutionär Kurt Eisner am 8. November 1918 den Freistaat Bayern proklamierte, konnte er noch nicht ahnen, dass diesen ab den 1960er Jahren allein die CSU für sich reklamieren sollte. Auch im Rahmen der Ausstellung der Hanns-Seidel-Stiftung über den Freistaat Bayern im Jahr 1976 fiel der Name Eisner kein einziges Mal. Erst in den letzten Jahren zeichnete sich eine Veränderung des erinnerungspolitischen Diskurses ab, der wiederum in engstem Zusammenhang mit der Neubewertung der historischen Rolle Eisners steht. Vor diesem Hintergrund zeichnet der Vortrag die Metamorphosen der bayerischen Freistaats-Idee sowie ihrer geschichtspolitischen Hintergründe während der letzten 100 Jahre nach.

    3. Hubert Bittlmayer (StMELF München): Land- und Forstwirtschaft im Fokus. Heimat Bayern im Blick (13.6.2018)

    Verantwortungsvolle Agrarpolitik ist eine gesamteuropäische Aufgabe und kann nur gemeinschaftlich gelöst werden. Es darf nicht vergessen werden, dass ohne Unterstützung der EU viele Landwirte ihren Betrieb nicht aufrecht erhalten könnten. Agrarpolitik ist fraglos ein Thema, das uns alle angehen muss. Neben ökonomischen und ökologischen Aspekten ist es auch Aufgabe der Agrarpolitik, das Leben auf dem Land lebenswert zu gestalten und den ländlichen Raum als Kulturlandschaft zu erhalten.

    2. Johann-Bernhard Haversath (Fürstenzell): Griechenland – Zwischen Göttern und Globalisierung. Was bleibt nach wirtschaftlichem Niedergang und politischem Desaster?
    Eine geographische Analyse (9.11.2017)

    Nach Jahren der Krise und sich überschlagenden Meldungen über wirtschaftliche und soziale Katastrophen ist ein Ende der Abwärtsspirale nicht in Sicht. Doch es gibt auch andere Bewertungen; das Motto der zeitgenössischen Kunstausstellung „documenta 14“ lautet ‚Von Athen lernen‘. Wenn man solche Anregungen ernst nimmt, die historischen und räumlichen Spezifika des Landes kennt und auch die Menschen ernst nimmt, dann bleibt nach wirtschaftlichem Niedergang und politischen Desaster Vieles, das der genaueren Betrachtung wert ist und Vorbildfunktion hat.

    1. Florian Hartleb (Tallinn/Estland): Die Stunde der Populisten (6.4.2017)


    Was ist mit unseren westlichen Demokratien momentan eigentlich los? Ist der US-Präsident Donald Trump ein Vorbote für Europa? Warum schlägt die Stunde der Vereinfacher im Zuge von Flüchtlingskrise, Terrorismus und Brexit derzeit so laut und schrill? Fest steht: Die jüngsten politischen Entwicklungen machen demokratischen Multiplikatoren große Sorgen.

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